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Duftende Hinweise_Bienen

Duftende Hinweise: Geraniol markiert, wo es langgeht

Honigbienen leben in einer Welt der Düfte. Vor allem für die kleinen Bestäuber, allen voran die Honigbienen, haben sich die Blütenpflanzen im Laufe der Evolution die Bouquets zugelegt, die wir Menschen so attraktiv empfinden.

Jürgen Tautz
Bienenexperte und bee careful Kooperationspartner Prof. Dr. Tautz

Die Bedeutung des Geruchssinnes für die Bienen lässt sich an den Insekten ganz direkt ablesen: Ihre Fühler sind vollgestopft mit zehntausenden Geruchs-Sinneszellen, die höchst empfindlich auf Düfte ansprechen. Schaut man den Bienen ins Gehirn, ist es der Geruchssinn, der
hochkomplex und voluminös abgebildet ist.

Es darf also nicht überraschen, dass eine solche Sinnes-Maschinerie auch für die Kommunikation unter den Bienen eingesetzt wird. In der Tat werden zur Orientierung und Kommunikation innerhalb und außerhalb des Stockes Duftstoffe benutzt.
Methodisch schwierig ist das Erfassen von Duftstoffen in deren zeitlich-räumlicher Dynamik vor allem im Freiland, weshalb wir auf diesem Gebiet auch erst ganz am Anfang stehen.

Ein Duft, dem im Freiland eine hohe Bedeutung zur Orientierung zukommt, ist das Geraniol. Es wird in einer Drüse am Ende des Hinterleibs der Bienen, der sogenannten Nassanov-Drüse, gebildet. Damit weisen Bienen, die diese Drüse im Stand öffnen und dabei mit den Flügeln einen Luftstrom erzeugen, heimkehrenden Nestgenossinnen den Weg zum Eingang des Stockes. An neuen Nistplätzen und an Futterplätzen führen Bienen Brauseflüge auf, für uns Menschen hörbar, aber für ihre Nestgenossinnen Geraniol verbreitend.

Duftende Hinweise_Flugspur
Abb.1: Mittels Radar erfasste Flugspuren von fünf Neulingen auf der Suche nach einem Futterplatz (schwarzer Punkt), für den im Bienenstock getanzt worden ist. Treffen sie bei ihren Suchflügen auf die Spur, auf der erfahrene Bienen zwischen Nest und Stock hin und her geflogen sind (gestrichelte Linie), biegen sie in die Zielgerade ein, hier auf einer Strecke von einhundert Metern. Der Stock (hier nicht zu sehen) liegt knapp 300 Meter vom Ziel entfernt (aus Menzel et al. 2011).

Ein Experiment zeigte, dass die Duftspur des Geraniols derart anziehend auf die Bienen wirkt, dass sie sogar durch eine dünne Angelschnur, deren Ende in Geraniol getaucht wurde, während ihres Fluges abgelenkt und geleitet werden können (Tautz & Sandeman, 2003). Das ist sehr hilfreich für die Bienen, auch wenn sie vom Tanz im Stock schon grob über eine Ziel-Region informiert wurden, da sie sich ohne Anschlussreize verirren würden. Derartige sehr einfache Experimente helfen zu verstehen, was dahinterstecken kann, wenn rekrutierte Bienen aus ungezielten Suchflügen heraus, schlagartig über die richtige Spur zum Ziel kommen (Abb.1). Dort können sie sogar, anstatt auf den Blüten, auf den erfahrenen Bienen landen, die Geraniol in die Luft entlassen (Titelbild).

Literatur:

Tautz, J, Sandeman, DC: Recruitment of honeybees to non-scented food sources.
Journal of Comparative Physiology A 189 (4), 293-300, 2003.

Menzel, R, Kirbach, A, Haass, W-D, Fischer, B, Fuchs, J, Koblofsky, M, Lehmann, K, Reiter, L, Meyer, H, Nguyen, H, Jones, S, Norton, P, Greggers, U: A Common Frame of Reference for Learned and Communicated Vectors in Honeybee Navigation. Current Biology 21, 645-650, 2011.

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