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Wanderimker

Die Wanderimkerei: Das Geschäft mit den Bienen

Ein Tieflader, der mit rund 500 Bienenstöcken bestückt ist, legt im Jahr bis zu 18.000 Kilometer zurück. Ein zunächst schwer vorstellbares Szenario – in den USA kann dieses jedoch durchaus beobachtet werden. Dort, und auch in anderen Ländern, hat die Wanderimkerei eine hohe wirtschaftliche Bedeutung.

In Deutschland liegt das Hauptmerk der Imkerei auf der Honigerzeugung. Im Fokus steht hierzulande meist die Liebe zum Tier und nicht der wirtschaftliche Profit mit dem Honig. Das ist jedoch nicht überall so, denn der Wert der Bestäubungsleistung von Honigbienen übersteigt den Wert der Produktion von Honig um das 10- bis 15-fache. In den USA zum Beispiel finden sich Imkereien, die sich ausschließlich auf die Bestäubungsleistung der Bienen konzentrieren. Der Hintergrund dieses Wirtschaftszweiges liegt in riesigen Monokulturflächen, wie man sie beispielsweise im Central Valley in Kalifornien findet. Hier wachsen auf einer Fläche von 3.000 Quadratkilometern etwa 60 Millionen Mandelbäume. Da diese nicht selbstbestäubend sind, ist die Honigbiene ein essenzieller Teil der kommerziellen Mandelproduktion, die zwischen 50 und 80 % der Weltproduktion ausmacht.

Mandelblüte in den USA
Wanderbienen bestäuben Mandelbäume

Die Wanderbiene in den USA

Innerhalb der zweiwöchigen Mandelblüte werden ca. 1,5 Millionen Bienenstöcke, mit je 50.000 Bienen, zu den Plantagen im Central Valley transportiert. Eine ganzjährige Ansiedelung der Bienen in dieser Gegend ist nicht möglich, da die nektarsuchenden Nutztiere außerhalb der zweiwöchigen Blütezeit keine Nahrung finden würden.
Die Bienenvölker verbringen daher den Herbst und Winter im klimatisch milden Florida und werden dort angefüttert, um das Wachstum der Bienenvölker zu beschleunigen.
Nach einem ersten Bestäubungs-Stopp im Central Valley könnte die weitere Reise der Wanderbiene beispielhaft so aussehen:

  • März: Apfelblüte in Washington
  • Mai: Sonnenblumen und Rapsblüte in South Dakota
  • Juni: Blaubeeren in Maine
  • Juli: Kürbisse in Pennsylvania

Für die Bestäubungsleistung zahlt der Plantagenbesitzer ein Honorar von umgerechnet etwa 120 € pro Bienenvolk an den Imker.
Auch in den Niederlanden werden Honigbienen in Unterglaskulturen und Folientunneln kommerziell eingesetzt. Sie ersetzen die kostenintensive und weniger effektivere Bestäubung „von Hand“, wie sie früher noch gängig war. Bei Erdbeerpflanzen führt die intensive Bestäubungsarbeit der Bienen sogar zu einem positiven Effekt auf die Qualität der Früchte.

Die Wanderimkerei in Deutschland

Während die Bestäubungsleistung der Biene in den USA und in den Niederlanden also ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, sieht die Situation in Deutschland ganz anders aus. Hier wird die Bestäubungsleistung der Honigbienen von den Landwirten oftmals als selbstverständlich angesehen. Manch ein Landwirt erwartet vom ortsansässigen Imker sogar eine Entlohnung für das Aufstellen der Bienenstöcke am Rande seiner Felder. Diese wird häufig in Form von Honig beglichen.
Vollkommen von der Wanderimkerei befreit bleibt Deutschland jedoch nicht. Die Intention unterscheidet sich jedoch von der in den USA und Niederlanden: Hier steht die Steigerung der Honigernte und die Produktion von sehr sortenreinem Honig im Fokus. Bislang bildet die Wanderimkerei in Deutschland noch eine Ausnahme.

Die Risiken der Wanderimkerei

Die Wanderimkerei bleibt nicht ohne Risiken für die eigenen und für fremde Bienen. Sie birgt die Gefahr der Verbreitung von Krankheiten im Umkreis der verschiedenen Wanderplätze. Des Weiteren stellt der Transport eine Mehrbelastung für die Bienen dar. Die Eingewöhnung auf den neuen Wanderplätzen sorgt durch Verflug für einen gewissen Ausfall an Bienenmasse.

In einigen deutschen Bundesländern gibt es Regelungen für das vorübergehende Aufstellen von Bienenvölkern zur Trachtnutzung. Informationen erhält man über den zuständigen Landkreis.

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