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Prof. Dr. Tautz an der Bienen-Forschungsstation in Bad Schwartau - bee careful

Neue Daten – Neues Wissen

Der Bienenexperte Prof. Dr. Jürgen Tautz hat ein neues Buch veröffentlicht. Es trägt den Namen „Die Erforschung der Bienenwelt, neue Daten – neues Wissen“ und liefert dem Leser neueste Erkenntnisse aus der Welt der Honigbiene.

Prof. Dr. Jürgen Tautz ist Gründer und Leiter des Projektes HOneyBee Online Studies (HOBOS). Gemeinsam mit dem renommierten Bienenforscher setzt sich bee careful dafür ein, Informationen rund um den Themenkomplex Biene für jeden frei zugänglich verfügbar zu machen, um so interessierte Menschen für die Bedeutung der Honigbiene zu sensibilisieren. In seinem neuesten Buch „Die Erforschung der Bienenwelt, neue Daten – neues Wissen“ hat Prof. Dr. Jürgen Tautz neueste Erkenntnisse aus der faszinierenden Welt der Bienen veröffentlicht. Um das Leben der Bienen sowie die Einflussfaktoren auf ihre Gesundheit zu erforschen, haben die Schwartauer Werke im Herbst 2014 gemeinsam mit Prof. Dr. Tautz und dem HOBOS-Team eine Bienen-Forschungsstation auf ihrem Werksgelände in Bad Schwartau aufgebaut.

Zusammen mit der existierenden Forschungsstation an der Universität Würzburg sind fortan vergleichende Forschungsanalysen möglich, die einen wichtigen Beitrag zur Bienenforschung leisten. Aus den Daten und Messungen der Forschungsstation in Würzburg hat Prof. Dr. Tautz viele neue wichtige Erkenntnisse gewinnen können.

Herr Tautz, vor Kurzem haben Sie Ihr neues Buch publiziert. Welche neuen Erkenntnisse aus der Welt der Honigbienen werden darin beleuchtet?

Immer wieder neue Blickwinkel, neue Forschungsmethoden und immer mächtigere Werkzeuge, die enorme Datenmengen bewältigen, lassen allmählich ein erweitertes und vertieftes Bild der Honigbienen entstehen. Durch den Hightech-Blick wird das Bild der Biene keinesfalls entzaubert, sondern ganz im Gegenteil, es ruft höchstes Erstaunen und Bewunderung hervor. Wir haben nun die Möglichkeit, ungestört in das Innere eines Bienenvolkes zu schauen. Der Superorganismus einer Bienenkolonie ist in seiner Biologie und in seinen Abläufen so komplex, dass die klassische Verhaltensbiologie an ihre Grenzen gestoßen ist. Durch HOBOS ist es nun möglich, hochkomplexe Prozesse besser zu verstehen. Das Buch beinhaltet viele neue Daten und neues Wissen, angeknüpft an ältere Beobachtungen und Ergebnisse. Das betrifft unter anderem Details der Temperaturregulierung im Inneren des Bienennestes, Vorgänge während der Vorbereitung zum Schwarmaufbruch sowie das Wabenbauverhalten der Bienen. Eigentlich betrifft es nahezu jeden Aspekt der Biologie der Bienen, den wir mit dem Hightech-Ansatz ins Auge fassen können.

Was hat Sie zu der Publikation dieses Buches bewegt?

Zur bisher weltweit einmaligen Lehr-, Lern- und Forschungsplattform HOBOS werden kontinuierlich derart viele Daten gesammelt und frei verfügbar im Internet angeboten, dass im Idealfall eine große Nutzergemeinde über das Internet auch nach neuen Erkenntnissen in dieser Datenfülle sucht – und fündig wird. Das Buch soll einige neue Erkenntnisse, gewonnen auf der Basis von HOBOS, präsentieren und somit möglichst viele Menschen anregen, sich in diesem Labor selbst auf die Suche nach bisher Unbekanntem zu machen. Der Superorganismus Honigbiene ist lange nicht erforscht und HOBOS eröffnet ständig neue Forschungsideen, die das kleine HOBOS-Team nicht alle alleine vertieft verfolgen kann. Die Biologie ist eine lebendige Wissenschaft, die sich beständig weiterentwickelt. Meine Hoffnung ist, dass sich andere motivieren lassen, sich ebenfalls der Themenfelder anzunehmen und an diesen zu forschen.

Welche neuen Erkenntnisse gibt es hinsichtlich des Bienentanzes und wieso sind diese so revolutionär?

Revolutionär wäre zu hochgesteckt und es betrifft nicht die Daten – neu ist der Blickwinkel, der eine Synthese über die in den letzten Jahrzehnten bisher leider als unversöhnlich geltenden Haltungen zur Futterplatzrekrutierung bei Bienen anbietet. Es ist vermessen, wie folgt zu vergleichen, trotzdem soll das Beispiel eingesetzt werden, da bekannte Fälle helfen zu verstehen, wieso auch neue Blickwinkel die Wissenschaft ebenso weiterbringen wie neue Daten: Kopernikus hatte nicht unbedingt revolutionär neue Daten zum Verlauf der Planetenbahnen am Himmel, die zu bestimmten Zeiten von der Erde aus betrachtet sogar rückwärts laufen – eine Beobachtung, die erklärt werden musste. Diese Beobachtung hatte auch schon Ptolemäus gemacht, der dazu komplizierte Gedanken und Berechnungen anbot, die für den Standpunkt, der die Erde in der Mitte des Universums sah, dieses Phänomen verständlich machten. Kopernikus hat lediglich den Standpunkt verändert, die Sonne in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen gebracht, und schon waren die Planetenbahnen nicht mehr hoch komplizierte Schleifen, sondern einfache Kreise und Ellipsen.
Die beiden klassischen Kernsätze zur Tanzsprache lauten:

1. Im Schwänzeltanz gibt eine Sammelbiene die Richtung und die Entfernung einer Futterstelle wieder – dieser Satz ist so nicht richtig.
Richtig ist: Im Schwänzeltanz gibt eine Sammelbiene grob einen „Korridor der Unsicherheit“ an, in dem sich die Futterstelle befindet. Für nahe Futterstellen ist die Entfernung weniger grob angegeben als die Richtung (der Korridor der Unsicherheit hat die Form eines Bumerangs). Für ferne Futterstellen gilt das Umgekehrte (der Korridor hat die Form eines schmalen, geraden, langen Areals).

2. Eine Nachfolgebiene findet aufgrund der im Schwänzeltanz enthaltenen Information die Futterstelle – dieser Satz ist so nicht richtig.
Richtig ist: Um das Ziel, zu dem die Tänzerin rekrutiert, zu finden, sind die Neulinge auf die Hilfe der erfahrenen Bienen im Feld und die Düfte der Blüten angewiesen. Ohne diese Fortsetzung der Hilfen draußen im Feld führt der Tanz nicht zum Ziel.

Ich schlage im Buch ein Modell vor, das bisherige Beobachtungen integriert. Sogar die allerfrühesten Entdeckungen von K. v. Frisch zur Futterplatzrekrutierung, die aber später leider nicht mehr verfolgt wurden, spielen dabei eine sehr wichtige Rolle.
Die Basis für dieses neue Modell sind mir zugängliche Daten und Publikationen anderer Bienenforscher sowie in geringerem Umfang auch eigene Experimente sowie recht einfache Beobachtungen, die jedermann im Sommer an bienen-besuchten Blüten machen kann.

Zusammengefasst: Der Tanz ist der Beginn einer Kette von Wegweisungen, der den Bienen hilft, draußen im Feld schneller auf die nächsten Glieder, die zielführenden Signale und Reize zu treffen als sie es mit beliebigen Suchen in beliebige Richtungen schaffen würden. Es wurde bisher auch noch nicht erforscht, was zwischen erfahrenen Bienen und Neulingen auf der Flugstrecke zwischen Bienenstock und Futterstelle geschieht. Klar ist zumindest dies: Zwischen dem Bienenstock und der Futterquelle bildet sich im Laufe der Zeit ein Bienenflug-Korridor aus, auf dem die Bienen, die das Ziel bereits kennen, hin- und herfliegen und so immer mehr Neulinge ins Schlepptau nehmen können.

Welche Forschungsarbeiten planen Sie in der Zukunft?

Da gibt es eine lange Liste, aber die Prioritäten sollen das HOBOS-Projekt und die Bienen setzen. Ein Versenken in die Datenfülle von HOBOS bringt ständig so viele neue Ideen, dass man darüber eher frustriert ist, da man davon nur das Wenigste vertieft verfolgen kann. Die Hoffnung ist, dass dies dann andere aufnehmen werden.

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