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Bienenforschungsstation

Temperaturverlauf im Bienenvolk im Winter

Auf dem Gelände der Schwartauer Werke in Bad Schwartau befindet sich Norddeutschlands erster Bienen-Forschungsstock. Im Zusammenspiel mit einer Bienenstation an der Universität Würzburg sind vergleichende Forschungsanalysen möglich, die einen wichtigen Beitrag zur Bienenforschung leisten.

Jürgen Tautz
Bienenexperte und bee careful Kooperationspartner Prof. Dr. Tautz

Besonders die Beobachtung der Temperaturverläufe von Bienen im Winter sind interessant. Die hoch organisierten Nutztiere haben nämlich ihre ganz eigenen Überwinterungsstrategien entwickelt, z.B. Power-Kuscheln und Warmzittern. Mehr dazu gibt es in diesem Artikel: Was machen Bienen im Winter?

Doch längst sind nicht alle offenen Fragen zum Verhalten der Bienen im Winter beantwortet, wie auch die Beobachtungen aus den beiden Forschungsstöcken zeigen.

Erforschung des Verhaltens von Bienen im Winter

In beiden Bienenvölkern der Forschungsstöcke werden unter anderem die Temperaturen in den Wabengassen gemessen (in allen Wabengassen in Würzburg, ausgewählt in zentralen und randständigen Wabengassen in Bad Schwartau).
Für das Würzburger HOBOS-Volk liegen Dauermessungen über vier Jahre von 2011 bis 2015 vor, die vier Winter einschließen (Abb.1 – aus Wabengasse Nr. 4).

Temperaturverlauf Abbildung 1
Abb. 1: Wabengasse 4

Im Sommer 2015 wurde das Würzburger Volk für Umbauten vorübergehend stillgelegt, der Winter 2015/2016 ist hier nicht erfasst. Für das Schwartau-HOBOS-Volk liegen Dauermessungen ab Sommer 2014, also für die Winter 2014/2015 und 2015/2016 vor. Die Abbildungen 2 (Würzburg) und 3 (Bad Schwartau) geben den bisher einzigen Winter wieder, in dem die Daten des Schwartau- und des Würzburg-Bienenvolkes parallel aufgenommen werden konnten.

Temperaturverlauf Abb. 2
Abb. 2: Temperaturverlauf des Bienenvolks am Standort Würzburg
Temperaturverlauf Abb. 3
Abb. 3: Temperaturverlauf des Bienenvolks auf dem Gelände der Schwartauer Werke

Bienen wärmen sich clever und energiesparend

In beiden Völker sind prinzipiell ähnliche Temperaturverläufe während des Winters zu beobachten. Die höchste Temperatur im Bienenstock fällt nach jedem Sommer recht rasch von der Brutnesttemperatur um die 35 Grad Celsius bis auf etwa 10 Grad Celsius ab, in kurzen Phasen auch darunter. In beiden Völkern treten in zeitlich unregelmäßigen Abständen sogenannte „Heiz-Peaks“ auf, also Spitzentemperaturen, die in Einzelfällen bis zu 30 Grad Celsius erreichen können und meist nur einen Tag lang andauern. Es lässt sich spekulieren, dass diese Heiz-Peaks den Honig weich und damit aufnahmebereit machen. Durch dieses ausgeklügelte Winter-Heizprogramm spart das Bienenvolk enorm an Energie und damit an den Honigvorräten. Ein Dauerheizen auf hohem Temperaturniveau würde hingegen einen viel höheren Energieaufwand verursachen.

Warum heizen die Bienen vor?

Bislang unklar sind die Gründe für das Auftreten länger andauernder Heizperioden im Winter, die bisher mit einer Dauer von zwei Wochen (wie in Abb. 2 aus Würzburg – aus Wabengasse Nr. 4 – roter Balken) bis vier Wochen (wie in Abb. 3 aus Bad Schwartau – aus Wabengasse Nr. 4 – roter Balken) beobachtet worden sind. Danach lassen die Bienen die Temperatur wieder bis auf 10 bis 15 Grad Celsius absinken, bevor dann etwas später endgültig auf das hohe Niveau hochgeheizt wird, das dann den Sommer über gehalten wird. Was geschieht in diesen vorübergehenden längeren Heizphasen im Winter? Wird in dieser Vor-Heizperiode schon Brut angesetzt? Das ließe sich an den Videoaufzeichnungen beider Stationen erkennen. Man könnte dann die Königin bei der Eiablage beobachten. Auch möglich wäre, aus den Daten der später beobachteten Schlüpfvorgänge der erwachsenen Bienen auf den Zeitpunkt der Eiablage rückzurechnen.

Interessenten sind dazu herzlich eingeladen! Das Video-/Daten-Zentrum ist frei benutzbar. Die Daten und die dazugehörigen Videoaufzeichnungen lassen sich aus dem Archiv von HOBOS aufrufen.
Interessierte haben so die Möglichkeit, eigene Erklärungen zum Verlauf der gezeigten Temperaturspuren zu verfolgen.

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