wave

Filtere deine Suche

Bienenkoenigin_Fortpflanzung_Ingo Arndt

Über das Fortpflanzungsmonopol der Bienenkönigin

Im Bienenvolk ist die Königin das einzige weibliche Wesen, das befruchtete Eier legt. Denn die weiblichen Arbeiterbienen im Stock sind in der Regel alle unfruchtbar. Doch warum ist diese Vormachtstellung der Bienenkönigin so wichtig und warum ist das gut für das Erbgut?

Jürgen Tautz
Bienenexperte und bee careful Kooperationspartner Prof. Dr. Tautz

Kurz nachdem eine neue Bienenkönigin geschlüpft ist, begibt sie sich auf ihren Hochzeitsflug, um sich zu paaren. Hier locken sie und weitere Jungköniginnen aus anderen Kolonien bis zu 20.000 fremde Drohnen, also männliche Bienen, an. Diese Begattung, bei der eine Jungkönigin bis zu zehn Millionen Spermien von etwa zehn bis fünfzehn Eroberern aufnimmt, findet nur einmal in ihrem Leben statt. Die gesammelten Spermien reichen aus, um genügend befruchtete Eier zu produzieren. Zurück im Stock legt die Königin ihre Eier ab, dabei je eines in eine Wabenzelle. Hier entscheidet sie je nach Größe der Zelle, ob eine männliche oder eine weibliche Biene entstehen soll. In schmalere Zellen legt sie ein befruchtetes Ei ab. Daraus schlüpfen die weiblichen Bienen, also die Arbeiterinnen. Die Eier in den breiteren Zellen werden nicht befruchtet und entwickeln sich zu neuen Drohnen.

Demnach sind alle Bienenarbeiterinnen im Stock Geschwister mit unterschiedlichen Vätern, aber der gleichen Mutter. Die geschilderte Art der Geschlechtsbestimmung führt dazu, dass die Schwestern untereinander genetisch ähnlicher, also näher miteinander verwandt sind, als die Töchter und ihre Mutter. Die besonderen Verhältnisse der genetischen Verwandtschaft im BIEN, dem Superorganismus des Bienenvolkes, sind der Grund dafür, dass Arbeiterbienen ihr eigenes Erbgut durch Schwestern erfolgreicher verbreiten, als wenn diese eigene Nachkommen bekämen. Deshalb sondert die Bienenkönigin ein Pheromon ab, das bei der Weitergabe des Honigs von Arbeiterbiene zu Arbeiterbiene im Volk verteilt wird und alle weiblichen Bienen unfruchtbar macht. Diese scheinbare Unterdrückung der Arbeiterinnen kommt aber deren genetischen Vorteil durch die Aufzucht von Geschwistern entgegen.

Trotzdem kommt es durchaus vor, dass Arbeiterinnen auch Eier legen. Dies geschieht allerdings sehr selten und meist nur in Notfällen – beispielsweise wenn die Königin stirbt. In einem intakten Bienenvolk werden diese Eier erkannt, sofort zerstört und gefressen. Dieses Verhalten hat auch einen guten Grund: Verhindert man in der Praxis die Zerstörung von Eiern, die von Arbeiterinnen gelegt wurden und vergleicht deren Entwicklung mit der von Eiern der Königin, wird nämlich ein anderer positiver Aspekt der alleinigen Fortpflanzung durch die Königin sichtbar: Aus nahezu allen Königinnen-Eiern schlüpfen gesunde Larven, aber lediglich aus einem Viertel der Eier, die Arbeiterinnen gelegt haben. Drei Viertel dieser Eier entwickeln sich nicht. (Pirk et al. 2004).

Theoretische Ansätze betrachten dies noch genauer: Denn das Eierlegen und das Eieressen durch Arbeiterbienen erklärt die Soziobiologie der Bienen auf der Basis der Ideen zum egoistischen Gen (Dawkins 2014) und zur Verwandtenselektion (Hamilton 1996). Die Grundgedanken dazu sind einfach und auch deshalb genial. Aber die Folgeüberlegungen sind hoch komplex und füllen leicht ein eigenes Buch, das wenig kurzweilig ausfallen dürfte – weshalb wir uns hier nicht weiter damit beschäftigen.
Aber leicht eingängig ist dies: Die alleinige Fortpflanzung durch die Königin schafft vitale Larven, die wichtig für den Fortbestand des Bienenvolkes sind.

Literatur:
Dawkins R: Das egoistische Gen. Springer 2014.
Hamilton, W D: Narrow roads of Gene Land. Vol.1 Evolution of social behavior. Oxford University Press 1996.
Pirk,Chr., Neumann, P., Hepburn,R., Moritz,R.F.A. & J.Tautz: Egg viability and worker policing in honey bees. Proc.Nat.Acad.Sci.USA 101, 8649-8651, 2004.

Abb.:
Eine gesunde Arbeiterin beim Schlüpfen. Sie wird ein Leben lang darauf verzichten, Eier zu legen. Ausnahmen kommen vor (Foto: Ingo Arndt)

Abonnieren Sie unseren Newsletter

*Pflichtfelder

Schreibe einen neuen Kommentar

Bisher gibt es keine Kommentare.

Bisher hat noch niemand einen Kommentar verfasst - Schreibe den ersten Kommentar