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Nachgefragt: Interview mit einem Imker

Gerd Schneider aus Brandenburg ist seit vielen Jahren Hobby-Imker. In dem kleinen Dorf Münchehofe stellte er als erster Freizeit-Imker des Ortes seine Bienenstöcke auf und betreibt dort die Imkerei Münchehofe. Heute hilft er anderen Bieneninteressierten bei der Installation eigener Bienenvölker und beantwortet auch schon den Kleinsten in Kindergärten und Schulen die vielen Fragen rund um die fleißigen Helfer.

Sie sagen, Sie imkern seit vielen Jahren, wie viele sind es denn genau?

Puuh … (lacht) das müssten mittlerweile etwa 20 Jahre sein. Also ganz genau sind es 18 Jahre, denn begonnen hat alles, als wir nach Münchehofe gezogen sind.

Das ist ja wirklich schon eine lange Zeit. Wie sind Sie denn damals zum Imkern gekommen?

Wie gesagt, begonnen hat alles, als wir aus der Stadt auf’s Dorf gezogen sind. Ich hatte schon immer viel mit Bienen zu tun. Mein Vater und auch mein Bruder besaßen schon ihre eigenen Bienenvölker und da es in diesem Ort noch keine Bienen gab, fand ich die Idee sehr passend und habe mir dann die ersten eigenen Völker zugelegt.

Sie sagen, damals hat es noch keine Bienen im Ort gegeben. Hat sich das mittlerweile geändert?

Ja, das hat es tatsächlich. Ich habe schon einigen Leuten dabei geholfen ihre eigenen Völker heranzuziehen und stehe ihnen gern bei Fragen zur Seite. Es ist wirklich spannend zu sehen, wie sich auch andere an den Bienen erfreuen und dass das Interesse an den Nützlingen immer größer wird.

Mit wie vielen Bienenvölkern haben Sie damals begonnen und wie viele Völker besitzen Sie aktuell?

Angefangen habe ich mit vier Völkern. In den letzten Winter bin ich mit 14 Völkern gegangen und eines hat den Winter nicht überstanden – das ist aber der ganz natürliche Schwund. Zur Zeit habe ich also 13 Völker und schaue sehr positiv in die Zukunft. Bisher verlief das Jahr super: Die Wetterbedingungen sind hervorragend und als frischgebackener Rentner habe ich nun auch mehr Zeit für die Bienen. Ich denke, dass ich mit 18 bis 19 Völkern in den Winter gehen werden und möchte in der Zukunft etwa 20 Völker haben. Das sind ein paar Völker mehr als bei anderen Hobby-Imkern, durchschnittlich kümmert sich ein Hobby-Imker um fünf bis acht Völker und ist damit gut beschäftigt – aber ich habe jetzt genügend Zeit. (lacht)

Dann haben Sie bestimmt einiges zu tun und werden viel Zeit mit Ihren Bienen verbringen. Was genau fasziniert Sie so sehr an den Bienen?

Da gibt es einige Dinge: die Ruhe, das Entspannte, aber vor allem die Biene an sich. Es ist spannend zu sehen, wie sie sich untereinander organisieren und wie die Königin das Volk organisiert. Jede Biene weiß ganz genau, wann sie was zu tun hat – das allein ist schon faszinierend! Es funktioniert alles von ganz allein und diesen Freiraum lasse ich meinen Bienen auch. Sie sind ein reines Naturvolk, ganz ohne Zukauf neuer Königinnen. Denn die Arbeiterbienen merken sofort, wenn die Königin nicht mehr da ist und beginnen dann umgehend damit sich eine neue Königin heranzuziehen. Da ist alles ganz genau geregelt.

Was sind Ihre größten Herausforderungen als Imker?

Ehrlich gesagt, habe ich eigentlich nur mit der Varroamilbe zu kämpfen, denn in Münchehofe und auch drum herum wird eine reine Bio-Landwirtschaft betrieben. Aber auch gegen die Milbe kann man einiges tun. Sobald die Drohnenbrut gelegt wurde, schneide ich ganze Teile davon aus, da sich die Milbe besonders gern in diesen Waben einnistet. Zusätzlich hänge ich nach dem letzten Schleudern Ameisensäure in den Stock, der die Milbe abtötet. In diesem Jahr habe ich mir zum ersten Mal ein Ultraschallsignal gekauft, das soll gegen die Varroamilbe helfen – na ja, mal schauen, ob das funktioniert. (lacht)

Davon können Sie uns gern im nächsten Jahr berichten. Hatten Sie als Imker ein besonders schönes Erlebnis, dass Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Da gibt es so einige. Am schönsten ist es aber, wenn ich Interessierten etwas über die Bienen erzählen kann. Deshalb fahre ich auch so gern in Kindergärten und Schulen. Ganz oft sitzen die Kinder da und bekommen ganz große Augen, wenn ich ihnen die mitgebrachten Waben in die Hände gebe und sie den restlichen Honig daraus probieren können. Dann werden sie ganz neugierig und stellen viele Fragen. Neben dem süßen Honig fasziniert die Kinder am meisten, wie akkurat die Bienen ihre Waben bauen.

Apropos Honig: Welche Sorten ernten Sie?

Zuerst die Frühjahrs- bzw. Obstblüte, dann die Robinie, die Linde. Das sind besonders sortenreine Honige. Dann ernte ich manchmal Klee- und Buchweizenhonig, je nachdem, was die Landwirte anbauen und im August gibt es dann noch die Sommerblüte, das ist ein Mischhonig, aus dem, was dann noch blüht.

Welchen Tipp möchten Sie Jungimkern mit auf den Weg geben?

Jeder und jede Interessierte sollte sich vorher wirklich ganz genau überlegen, ob genügend Zeit und finanzielle Mittel vorhanden sind. Man benötigt schon einiges Equipment. Zuerst sollte man sich das Imkerhandwerk bei einem Imker anschauen und auch Fragen stellen. Mein wichtigster Tipp ist allerdings: Lasst euch nicht vom Internet verrückt machen. Sucht lieber den direkten Kontakt und redet mit einem erfahrenen Imker und findet dann euren eigenen Weg.

Und welchen Tipp haben Sie für Gartenfreunde, die die Bienen unterstützen wollen?

Bienen lieben mit Nektar und mit Pollen gefüllte Blüten, deshalb sollten im Garten auch immer bienenfreundliche Blumen, Sträucher und Bäume vorkommen. Wenn es ein Baum sein soll, dann freuen sich Bienen über Linden oder Obstbäume. Und der Rasen sollte auch nicht zu oft gemäht werden: Lasst den Rasen doch einfach mal wachsen! (lacht)

Herr Schneider, vielen Dank für die vielen Eindrücke. Wir wünschen Ihnen und Ihren Bienen ein erfolgreiches, restliches Bienenjahr.

Mehr Informationen zur Imkerei Münchehofe finden Sie hier.

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