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Imkerin Heidi Winterberg

Imkern im Herbst – auch Bienen haben Saison

In dem kleinen Dorf Alt Schanzendorf im Landkreis Ottersberg summt es. Hier gibt es viel mehr Bienen als Einwohner. Einen großen Beitrag dazu leistet Imkerin Heidi Winterberg, die hier zehn Bienenvölker hält. Trotz der noch warmen Temperaturen hat Heidi Winterberg ihre Bienen schon auf den Winter vorbereitet. Ein Interview.

Frau Winterberg, wie bereiten sich die Bienen eigentlich auf den Winter vor?

Im Spätsommer verfolgen die Bienen zwei Aktivitäten mit besonderem Nachdruck: Sie sammeln Vorräte für den Winter und ihre Königin produziert möglichst viele Nachkommen für die kalte Jahreszeit – sogenannte „Winterbienen“, also Bienen, die den ganzen Winter überleben können. Hierfür brauchen die Bienen viel Energie, daher helfen Imker mit Zusatzfutter nach.

Womit füttert man denn ein Bienenvolk – wenn man ihnen nicht den frisch-geernteten Honig geben will?

Als ich mit 18 Jahren angefangen habe zu imkern, habe ich hierfür immer selber Zuckerwasser eingekocht – das war eine Arbeit! Ich habe mit kiloweise Zucker in meiner Küche hantiert (lacht). Mittlerweile nutze ich Ambrosia – ein besonders nahrhaftes Bienenfutter, das einen hohen Fruchtzuckergehalt hat und den Bienen wichtige Nährstoffe bietet. Ambrosia kann man ganz bequem bestellen – das macht’s einfacher.

Wie genau füttert man Bienen?

Das ist nicht kompliziert. Ich stelle einfach den Eimer mit dem Ambrosia-Futter auf die Bienenkörbe. Die Bienen sind ganz heiß auf das Futter und haben es ziemlich schnell weggeputzt. Ich gebe meinen Bienen aber auch immer etwas von ihrem eigenen Honig – so kann ich sicher sein, dass sie alles haben, was sie brauchen. Das habe ich dieses Jahr bereits bei allen meiner Bienenvölker gemacht. Imker machen das immer nach der letzten Honigernte im August, direkt nach der Gemülldiagnose.

Was ist denn eine Gemülldiagnose?

Über die Gemülldiagnose prüfen Imker die Varroasituation ihrer Bienenvölker. Die Varroamilbe ist einer der gefährlichsten Feinde der Honigbiene. Bevor die kalten Tage beginnen und die Bienen hauptsächlich in ihren Bienenkörben bleiben, ist eine Gemülldiagnose mit anschließender Varroamilben-Behandlung daher wahnsinnig wichtig. Ohne diese stirbt das Bienenvolk wegen der starken Ausbreitung der Milbe mittlerweile sicher im Winter. Wenn man hier allerdings sorgfältig vorgeht, kann das Bienenvolk sogar milbenfrei in das neue Frühjahr starten – das ist natürlich großartig.

Wie funktioniert eine solche Behandlung?

Ich verwende hierfür Ameisensäure. Diese saugt man in Schwammtüchern auf und platziert sie auf dem Bienenstock. Von den Tüchern gehen dann Dämpfe aus, die die Varroamilben betäuben, sodass sie von den Bienen ablassen und auf den Boden des Stocks fallen. Dort habe ich eine Bodeneinlage platziert, die ich nach dem Abschluss der Behandlung rausnehme, um zu prüfen, wie viele Milben auf meinen Bienen saßen. Das nennt man Gemülldiagnose.

Welche Aufgabe hat der Imker nach der Varroamilben-Behandlung und der Wintereinfütterung bis zum Frühjahr?

Jeder Imker schaut während des ganzen Winters nach seinen Bienenstöcken. Die Bienen sind dann träge und haben sich zu einer Traube zusammengefunden und produzieren durch durchgehendes Flügelschlagen Wärme. Ich lege im Winter gerne hin und wieder mein Ohr an den Stock. Höre ich ein gleichmäßiges, ruhiges Brummen, ist alles in Ordnung. Ist dem nicht so, wird das Bienenvolk durch irgendetwas gestört. Das kann ein Ast sein, der gegen den Bienenstock schlägt oder sogar eine Maus, die in den Bienenstock eingedrungen ist. Dagegen setze ich eigentlich bereits im September Mäusegitter vor den Eingang – aber manchmal nagen die sich auch durch. Im Dezember mache ich immer eine zweite Gemülldiagnose. Wenn mehr als drei Milben auf der Bodeneinlage zu finden sind, mache ich dann auch noch eine Varroamilben-Behandlung.

Also eine Art „Vorsorgeuntersuchung“ bei Bienen?

Vorsorge und Nachsorge. Wenn die Bienen im Sommer viel unterwegs sind und Kontakt zu anderen Bienenvölkern und zur ganzen Umgebung haben, infizieren sie sich eigentlich immer. Als Imker muss man dann dafür sorgen, dass die Winterbienen milbenfrei in den Winter gehen. Nur so sichert man das Überleben der Bienen und kann mit diesem Volk im Frühjahr weiterarbeiten. Meiner Meinung nach misst sich der Erfolg der Imkerei sich heute nicht mehr daran, wie viel Honig man produziert, sondern wie lange man sein Volk gesund hält. Wir haben eine Fürsorgepflicht für unsere Bienen.

Frau Winterberg, vielen Dank für die vielen Eindrücke und Informationen. Wir hoffen, dass Sie im Frühjahr mit einem fitten und milbenfreien Volk starten können!

Heidi Winterberg imkert bereits seit über 30 Jahren. Ursprünglich ist Frau Winterberg gelernte Arzthelferin, hat sich aber mittlerweile ganz ihren Bienen und der Gartenarbeit verschrieben. Bei ihren Honigbienen achtet sie auf einen besonders bienenfreundlichen und biologischen Umgang. Sie tauscht sich regelmäßig in ihrem Imkerverein zur aktuellen Bienensituation, neuen Erkenntnissen und Erfahrungen aus.

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