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Killerbiene

Die Killerbiene

Es sollte ein harmloses Experiment werden – die Kreuzung der friedfertigen europäischen mit der angriffslustigen afrikanischen Honigbiene. Ziel war es, für das tropische Klima in Brasilien eine geeignete Honigbiene zu züchten und die Honigproduktion zu steigern. Das Experiment geriet jedoch außer Kontrolle als die afrikanisierten Bienenvölker in den tropischen Regenwald flohen.

Die Entstehung der Killerbienen

Ende der 50er-Jahre beauftragte das brasilianische Agrarministerium den brasilianischen Genetiker und Insektenkundler Warwick Estevam Kerr mit der Züchtung einer, an das tropische Klima angepassten und leistungsstarken, Bienenart. So kam es, dass er ca. 120 Königinnen von Afrika nach Brasilien brachte. Mit der Hilfe von Kerr sollte getestet werden, ob sich Tropenbienen besser für das heiße und feuchte Klima in Brasilien eigneten als die dort zuvor gehaltenen Bienen spanischer Herkunft, denn diese waren ohne menschliche Hilfe kaum überlebensfähig und produzierten nur wenig Honig. Was als harmloses Experiment begann, geriet schnell außer Kontrolle.

Killerbienen: Ein gewagtes Experiment

Das Experiment startete auf einem Imkergelände nahe der Hauptstadt Brasiliens, São Paulo. Kerr kreuzte die afrikanische Biene mit der europäischen, um so die Angriffslust „herauszuzüchten“. Es sollte eine sanftmütige Bienenart entstehen, die auch in tropischen Gebieten einen hohen Honigertrag erwirtschaften konnte. Unter verschlossenen und isolierten Bedingungen kam es nach neun Monaten jedoch zu einem großen Desaster.
An den Stockeingängen der Versuchs-Bienenstöcke wurden zu Beginn des Experiments Gitter eingesetzt, die dem Ausschwärmen des Bienenvolkes und somit dem Entkommen der Königin entgegenwirken sollten. Ein Angestellter, welcher nicht richtig informiert worden war, entfernte die Gitterstäbe, da er annahm, dass diese fälschlicherweise montiert worden waren. So entkamen 26 der Bienenschwärme mit afrikanischen Königinnen und verschwanden in der Wildnis. Sie vermehrten und verbreiteten sich mit einer rasanten Geschwindigkeit – es bestand keine Möglichkeit mehr, sie einzufangen. Sie schafften es schnell bis nach Nordamerika, wo sie erstmalig als Killerbienen auftraten – als solche griffen sie Menschen und Tiere an und verdrängten sogar einheimische Bienenarten.

Äußerlich unterscheidet sich die Killerbiene kaum von friedlicheren Bienenarten – sie zeigt jedoch eine größere Angriffslust. Der Unterschied gegenüber anderen Bienenrassen liegt darin, dass bei einer Bedrohung nicht nur die Wächterbienen des Volkes angreifen, sondern im Falle der Killerbiene gleich das ganze Volk.
Sie stechen bereits bei geringster Provokation zu und verfolgen ihre Opfer hartnäckig über große Distanzen.
Die Killerbiene macht ihrem Namen auch alle Ehre: Eine große Zahl von Stichen kann tödliche Konsequenzen haben – bei einem Kind bereits bei 500 und bei einem Erwachsenen bei mehr als 1.000 Stichen. Greift ein ganzes Volk an, kann diese Schwelle schnell überschritten werden, wenn das Opfer keine Möglichkeit hat zu entkommen.

Die weitreichenden Folgen des Experimentes

Die Furcht vor den Killerbienen ist in den USA weit verbreitet, bislang gibt es jedoch nur wenige Fälle von tödlichen Angriffen. Warwick Estevam Kerr äußerte sich hierzu wie folgt: „Wir haben in Brasilien jährlich knapp 200 Tote durch unsere Bienen. Auf einer bestimmten Straße in São Paulo sind es fünfmal so viele Verkehrstote.“ Er impliziert damit, dass die afrikanisierten Bienen, wie bei Unfällen mit Haien, von den Medien für reißerische Schlagzeilen missbraucht werden.
Die brasilianischen Imker haben sich auf die Verhaltensbesonderheiten der afrikanisierten Bienen eingestellt und gelernt, mit diesen zu arbeiten. Besondere Schutzkleidung und angepasste Arbeitsmethoden ermöglichen eine Bienenzucht mit hohen Honigerträgen. Produzierte ein Bienenstaat früher rund 20 kg Honig im Jahr, sind es heute 50 bis 60 kg. Brasilien stieg damit in der Liste der honigproduzierenden Länder von Platz 27 im Jahr 1956 auf Platz 5 im Jahr 1990.

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