wave

Filtere deine Suche

Soziale_Biene_Darm

Der Darm verrät, wie sozial Bienen wirklich sind

Der stetige Fluss des Honigs von Bienenmund zu Bienenmund ist einer der Faktoren, der aus zehntausenden von Individuen eine Einheit, den BIEN, bildet. Auf diese Art und Weise werden wichtige Informationen sowie Futter an die Gemeinschaft übermittelt. Doch was genau hat der Darm einer jeden einzelnen Biene damit zu tun?

Jürgen Tautz
Bienenexperte und bee careful Kooperationspartner Prof. Dr. Tautz

Der permanente Honigstrom zwischen den Bienen versorgt jedes Mitglieds der Bienenkolonie stetig mit Energie und Rohstoffen. Besonders deutlich wird dies bei der Versorgung erschöpfter Heizerbienen: Die Heizerbienen müssen ihre Tätigkeit quasi nicht unterbrechen, weil sie durch sogenannten „Tankstellenbienen“, ständig mit Honigvorräten versorgt werden. Durch die Einbeziehung aller Bienen einer Kolonie in die Verteilung des Honigs, werden in Zeiten echter Not also nicht einige Bienen auf Kosten anderer überleben. Bei den Bienen ist es so: Entweder leben alle oder es verhungern alle – und das unter Umständen in allerkürzester Zeit. Es handelt sich dabei um Stunden.

Zusätzlich gilt der stetige Strom des Honigs in alle Bienenmünder auch als einer der wichtigsten Wege der Kommunikation im Bienenvolk. Beispielsweise verbreitet sich die Botschaft, dass eine gesunde und fruchtbare Königin anwesend ist, indem die Hofstaatbienen die Königin stets penibel sauber halten. Durch das ständige Belecken nehmen sie die Königinsubstanz von deren Körperoberfläche auf und geben diese von Mund zu Mund weiter.

Die Biene transportiert den gesammelten Nektar in ihrem Darm. Genauer in der sogenannten Honigblase, auch Honigmagen oder Kropf genannt, einem sehr dehnbaren Abschnitt am Ende der Speiseröhre. Ist die Honigblase prall gefüllt, drängt die Biene die anderen Organe im Hinterleib auf das Engste zusammen. Die Honigblase kann etwa 0,05 Milliliter Flüssigkeit fassen – das ist etwa die Hälfte des eigenen Körpergewichts einer Sammelbiene. Auf dem Weg vom Mund in die Honigblase werden dem Nektar Enzyme beigemengt, die diesen bereits im Bienenkörper zu einer Vorstufe des Honigs verwandeln – die Bezeichnung „Honigblase“ ergibt also durchaus Sinn.

Zurück im Bienenstock wird der Inhalt der Honigblase wieder hochgewürgt, an Abnehmerbienen weitergegeben, zu fertigem Honig verarbeitet und in den Honigfluss zwischen allen Bienen eingebracht.
Ganz am hinteren Ende der Honigblase entscheidet sich, welchen Anteil der gesammelten Ausbeute die Sammlerin für ihren Eigenbedarf behält und welchen Teil sie dem BIEN zur Verfügung stellt. Durch ein kleines Ventilchen, der sogenannte Proventriculus, entscheidet die Biene wieviel Inhalt der Honigblase für die eigene Verwendung in den Mitteldarm gelangen soll. Der Proventriculus ist ein mikromechanisches Wunderwerk – eine winzig kleine Konstruktion. Er besteht aus vier, jeweils paarweise gegenüberliegenden winzigen Klappen, ähnlich unseren Herzklappen, die den Durchgang undurchlässig abschließen können. Dieser Durchlass ist mit feinsten Filterhärchen besetzt, die aus dem Inhalt des Honigmagens Partikel entfernen.

Das Spannende daran: Im Gehirn der Honigbienen gibt es keine Struktur, aus der auf ein Sozialverhalten der Bienen geschlossen werden kann. Der Proventriculus des Bienendarmes ist das Organ, an dem sich das Spiel von Eigennutz und Selbstlosigkeit der Sammelbienen ablesen lässt und so verrät, wie sozial die Bienen wirklich sind. Beschließt eine Biene, ihren Honig nicht mit den anderen zu teilen, enthält sie ihnen also nicht nur Nahrung, sondern auch wichtige Informationen vor.

Abbildung:
Die Spenderbiene (links) bietet der Empfängerbiene eine Portion Honig an, die, versetzt mit dem Duft der Königin, zugleich anzeigt, dass eine gesunde Königin im Volk ist. Foto: Ingo Arndt.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

*Pflichtfelder

Schreibe einen neuen Kommentar

Bisher gibt es keine Kommentare.

Bisher hat noch niemand einen Kommentar verfasst - Schreibe den ersten Kommentar