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Denkweise der Honigbienen

Vom „Denken“ der Honigbienen

Der Bienenexperte Prof. Dr. Tautz berichtet jeden Monat exklusiv auf der bee careful-Plattform über ein interessantes Thema aus der Bienenforschung. Heute präsentiert der Kooperationspartner von bee careful zwei spannende Studien zur Lernfähigkeit von Bienen.

Jürgen Tautz
Bienenexperte und bee careful Kooperationspartner Prof. Dr. Tautz

Obwohl ihr Gehirn nicht größer ist als ein Stecknadelkopf, besitzen Honigbienen eine erstaunliche Lernfähigkeit. Studien, die sich mit der Denkleistung von Honigbienen beschäftigten, fanden heraus, dass Bienen in der Lage sind, bis zu einem gewissen Grad zu „zählen“. Außerdem erkennen sie unterschiedliche Malstile und haben sich in einer faszinierenden Studie mit Gemälden berühmter Künstler als wahre „Kunstkenner“ erwiesen.

Bienen können Mengen einschätzen

An der Universität Würzburg konnten Hans Jochen Gross und Kollegen zeigen, dass Bienen in der Lage sind, die Menge von Gegenständen bis zu einer Anzahl von vier Objekten recht sicher erkennen zu können (1). In sogenannten Wahl-Versuchen mussten sich frei fliegende Bienen zwischen unterschiedlichen Alternativen entscheiden, indem sie eine davon anfliegen sollten. Welche Wahl die Richtige ist, gab der Versuchsleiter vor. Zuvor flogen sie testweise alle gebotenen Möglichkeiten an. Bei der richtigen Wahl fanden sie eine süße Belohnung in Form eines Tropfens Zuckerwasser vor und konnten auf diese Weise die Lektion in den meisten Fällen schon nach wenigen Durchgängen lernen. Es ist ein erstaunliches Ergebnis, dass eine derartige Abstraktionsleistung, nämlich das richtige Abschätzen des Umfangs kleiner Mengen, bereits bei diesen Insekten zu finden ist.

Picasso oder Monet? Bienen erkennen den Unterschied

Gut informierte, kunstinteressierte Zeitgenossen können Gemälde, die sie noch nie vorher gesehen haben, dem Schöpfer anhand seines Malstils zuordnen. Ein australisch-brasilianisches Forscherteam um die Biologin Judith Reinhard kam auf die Idee, Honigbienen daraufhin zu untersuchen, ob sie zu ähnlichen Leistungen fähig sind (2). Was zunächst weit hergeholt erscheint, hat zu höchst verblüffenden Ergebnissen geführt.

Bienen wurde auf die oben geschilderte Weise beigebracht, dass sie belohnt werden, wenn sie sich zwischen impressionistischen Bildern von Monet und kubistischen Bildern von Picasso für das richtige Gemälde entscheiden. Als dies gelernt war, bekamen die „kunsterfahrenen“ Honigbienen Gemälde dieser beiden Künstler vorgesetzt, die sie bisher noch nicht kannten. Eine richtige Entscheidung ist nur möglich, wenn der Malstil der beiden Künstler erkannt und als Grundlage für die Wahl genutzt worden wäre. Es zeigte sich in der Tat, dass die Bienen in der Lage waren, die Malstile zu klassifizieren. So konnten sie auch ihnen unbekannte Gemälde richtig zuordnen. Dies geschah zwar nicht mit einer absoluten Sicherheit, aber doch häufiger, als dass es dem Zufall zuzuschreiben wäre. Der ausgezeichnete Sehsinn der Bienen erlaubt es ihnen ganz offenbar, visuell erfassbare Eigenschaften aus komplexen Strukturen zu extrahieren und zu kategorisieren. Dies trifft offensichtlich auch auf nicht-natürliche Umgebungen (natürlich wären z.B. Blumenwiesen) zu, wie im Fall der Werke berühmter Maler.

Und das sind nur zwei Beispiele zu der erstaunlichen Lernfähigkeit, die Mutter Natur den Honigbienen mitgegeben hat, um sich im eigenen Staat und in der komplexen Welt außerhalb ihres Nestes zurechtzufinden.

(1)
Gross, H.J., Tautz, J., Pahl, M., Si, A., Zhu, H. & S.Zhang: Number-based visual generalisation in the honeybee. PloSOne (2009) 4: 1-9. e4263. DOI:10.1371

(2)
Wu, W., Moreno,A.M., , Tangen, J.M. & J.Reinhard: Honeybees can discriminate between Monet and Picasso paintings, J Comp Physiol A (2013) 199:45-55.
DOI 10.1007/s00359-012-0767-5

Link zur Original-Studie mit den verwendeten Gemäldebildern: Originalstudie

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