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Bienenwachs und Baumharze: Ein Superkleber der Steinzeit

Honigbienen sind seit jeher wertvolle Unterstützer für den Menschen. Als Lieferanten von Honig und Wachs sind sie derart wichtig, dass sie wegen dieser Produkte als nahezu überirdische Wesen betrachtet wurden und in vielen Mythen erwähnt werden. Doch wann fing eigentlich alles an?

Jürgen Tautz
Bienenexperte und bee careful Kooperationspartner Prof. Dr. Tautz

Die überragende Bedeutung der Biene im Naturhaushalt kennen wir erst seit den epochalen Arbeiten des Berliner Lehrers Christian Konrad Sprengel und dessen Buch „Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und der Befruchtung der Blumen“ aus dem Jahre 1793. Hier erklärt er die Bestäubungsleistung durch Tiere, insbesondere durch die Biene. Schon weitaus vorher wurden die Vorteile der Honigbiene für den Menschen durch die Imkerei nutzbar. Hier zeigt sich auch die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Biene in der Kulturlandschaft.

Honig, als ein ganz besonderes Nahrungsmittel, hat den Menschen von Beginn an begleitet. Denn der Honig wurde aus den Nestern wildlebender Bienenvölker in Wäldern entnommen. Doch wann hatte die Imkerei ihre Anfänge? Darüber gaben – zunächst unscheinbare – kleine, schwarze Flecken Auskunft. Vor etwa 50 Jahren fanden Archäologen im Harz Klingen und weiteres Werkzeug aus Stein – datiert auf etwa vierzigtausend Jahre vor unserer Zeitrechnung. Auf diesen Gegenständen hafteten schwarze Flecken. Diese hielt man zunächst für Birkenpech, einen aus Birkenrinde gewonnenen Klebstoff, dessen Herstellung und Nutzung den Steinzeitmenschen bereits bekannt war. Die Beläge auf den Werkzeugen wurden später mit neueren Analysemethoden untersucht und man kam aus dem Staunen nicht heraus: entdeckt wurde ein Superkleber der Steinzeit. Ein Gemisch aus Bienenwachs und Baumharzen, mit dem die Klingen aus Stein und Griffe aus Holz oder Knochen fest zusammengeklebt werden konnten.

Bei diesem Nachweis handelt es sich nicht nur um einen Beleg dafür, dass schon Steinzeitmenschen Rohstoffe der Biene nutzten. Nein, es war gleichzeitig auch der Beweis, dass im Harz schon in der Altsteinzeit Honigbienen existierten. Dies war eine völlig neue Erkenntnis für die Wissenschaftler. Bisher wurde davon ausgegangen, dass das Vorkommen der Honigbiene in dieser Region erst viel später auftrat. Damals hatte Mitteleuropa die Eiszeit gerade hinter sich und die Natur begann, sich zu erholen. Das sind wichtige Erkenntnisse für Archäologen, Biologen und Klimaforscher – gewonnen aus kleinen, schwarzen Flecken.

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